GhostView & GhostScript
Hier und da bekomme ich Rückmeldungen über Probleme beim Drucken. Da alle Dateien bei mir ausgedruckt vorliegen und Tests der problematischen in meinem Bekanntenkreis ebenfalls positiv verliefen, gehe ich davon aus, dass das Problem mit dem jeweils benutzten Druckertreiber zusammenhängt. Da dieses Wissen allein aber niemandem weiterhilft, liefere ich hier auch gleich eine Lösung.
GhostScript ist ein Programmpaket, mit dessen Hilfe man nahezu jeden Drucker zu einem echten Postscript-Drucker erweitern und viele weitere nette Dinge anstellen kann. Seit geraumer Zeit gibt es eine »grafische Oberfläche« für Ghostscript, die die wichtigsten Funktionen unter Windows verfügbar macht. GhostView ermöglicht es im Zusammenspiel mit Ghostscript, jeden Drucker postscriptfähig zu machen, für den es einen Windows-Treiber gibt.
Falls Sie also Probleme mit dem »normalen« Ausdruck von PDF-Dateien haben, versuchen Sie doch mal einen (kleinen ;-)) Umweg.
- Installieren Sie GhostScript!
- Laden Sie GSView und öffnen Sie die betreffende PDF-Datei.
Wenn das Arbeitsblatt am Bildschirm korrekt angezeigt wird, haben Sie wahrscheinlich gewonnen, denn wenn GhostScript das Bild anzeigen kann, wird es in aller Regel auch korrekt gedruckt. Wichtig ist die Einstellung des richtigen Druckers:
Im Beispiel sehen Sie, dass GsView im oberen Fenster den Drucker »mswinpr2« benutzt, d.h. die Druckausgabe von Windows erledigen lässt. Im unteren Fenster ist »ALPS MD-2010« ausgewählt, weil für diesen Drucker in meinem Windows ein Treiber installiert ist.
Sie sollten bei sich die gleichen Einstellungen wählen, wobei im unteren Fenster natürlich der Treiber für Ihren Drucker ausgewählt werden muss.
Neben dem Ausdrucken problematischer PDF-Dateien bietet Ihnen das Gespann GhostView/GhostScript noch eine ganze Reihe von Optionen, von denen ich hier nur einige wiedergeben kann:
- Umwandlung einer PostScript-Datei in eine Pixeldatei!
Als Ausgabe»gerät« können Sie bei GhostView neben vielen Druckern auch mehrere Grafikformate wählen. Die dabei entstehende Pixeldatei lässt sich mit beliebigen Bildbearbeitungsprogrammen weiterverarbeiten.
Beispiel:
Ihnen gefällt eines der Mandalas besonders gut, aber an ein paar Stellen stört Sie irgendetwas. CorelDRAW ist für Sie ein Fremdwort. Dann verwandeln Sie doch einfach die entsprechende PDF-Datei via GhostView in eine PCX-Datei, laden Sie sie nach Paint und radieren Sie die störenden Teile einfach weg!
- Überprüfung einer PostScript-Datei vor der Belichtung!
Wenn Chroniken, Zeitschriften oder Bücher richtig (d.h. im Offset) gedruckt werden sollen, müssen die Daten vorher auf Filme ausbelichtet werden. Nach der oben beschriebenen Methode können Sie eine PostScript-Datei, die Sie zum Belichten auf Film an eine Druckerei geben wollen, vorher testen. Die Druckerei schickt die Datei einfach in den Belichter und wenn da Mist herauskommt, entstehen unnötige Kosten. Zeigt GhostView die Datei ordentlich an, klappt erfahrungsgemäß auch die Belichtung ohne böse Überraschung. (Es gibt sogar schon Druckereien, deren Belichter arbeitet mit GhostScript.)
- Einstellung der Rasterweite bei gedruckten Fotos!
Jeder kennt das Problem beim Kopieren von Fotos: Je öfter eine Kopie von der Kopie gezogen wird, desto mehr tendieren Fotos zu einer zerrissenen schwarzen Fläche, in der man nur manchmal noch konturenhaft den ursprünglichen Inhalt erkennen kann.
Zeitungsfotos, die ja i.d.R. nicht besonders klar und deutlich sind, werden dagegen durch einen solchen Kopiervorgang oft sogar besser als das Original!
Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch liegt in der Art und Weise, wie Fotos gedruckt werden. Fast jeder Drucker (sw) kann einen Bildpunkt nur schwarz oder weiß wiedergeben. Bei Schrift oder Strichzeichnungen ist das optimal, graue Schrift oder Halbtonwerte in Fotos sind dagegen problematisch.
Hier nutzt man einfach die Tatsache aus, dass das menschliche Auge oft mehr sieht, als in Wirklichkeit da ist. Man denkt sich über das Foto oder die graue Fläche gelegt ein Raster von Punkten. Wenn man nur jeden zweiten Bildpunkt in schwarz druckt, die andere Hälfte also weiß lässt, wirkt diese Fläche aus einiger Entfernung genau so, als wäre sie in 50% grau gedruckt.
Bei anderen Grauwerten ist der prozentuale Anteil der schwarzen Punkte kleiner (heller) oder größer (dunkler). Wie viele verschiedene Grauwerte man darstellen kann, hängt vom Raster ab: je feiner das Raster, desto mehr Graustufen sind möglich.
Wie fein man nun das Raster einstellen kann, hängt letztlich von der Auflösung des Druckers ab: Je mehr DPI der Drucker auflösen kann, desto feiner kann lässt sich das Raster einstellen. Die meisten Drucker (Nadel-, Tintenstrahl-) haben eine voreingestellte und nicht änderbare Rasterung oder Rasterweite.
Beim Ausdruck eines Graustufenbilds auf einen Postscript-Drucker kann man die Rasterweite für Fotos gezielt einstellen. Wählt man hier ein relativ grobes Raster (Rasterfrequenz unter 60), erhält man ein zeitungsähnliches Bild, das sich ganz hervorragend kopieren lässt.
Für Fotos, die im Offset gedruckt werden, sind Rasterfrequenzen von 144 oder sogar 150 und damit wesentlich mehr Graustufen möglich. Hier sollte man sich vor dem Belichten mit der Druckerei absprechen.
Experimentieren Sie hier vielleicht mal ein bisschen, es lohnt sich ganz sicher! Wenn Sie die Druckausgabe bei GsView in eine Datei umleiten und als Gerät pcxmono wählen, können Sie die erzeugten Rasterbilder mit Paint direkt betrachten.
Versuchen Sie mal Rasterweiten unter 20 oder scannen und rastern Sie mal ein sehr unscharfes Foto ...